Donnerstag, 4. Juli 2019, Marburg. Zum ersten Mal haben ver.di Mittelhessen und der Landesverband der Hessischen Hebammen die Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft Hessen zu einem Besuch von drei mittelhessischen Krankenhäusern eingeladen. Im Zentrum standen Gespräche mit Beschäftigten über die tarifliche Situation und die Arbeitsbelastung. In der Asklepios Klinik Lich schilderten Beschäftigte aus verschiedenen Bereichen ihren langjährigen Kampf um einen Tarifvertrag und die fortgesetzte Verweigerungshaltung des Arbeitgebers. „Wenn ein Pfleger nach vielen Jahren seinen Kindern abrät, diesen Beruf zu ergreifen, dann können und dürfen wir nicht wegschauen“, so Marian Zachow von der CDA im CDU-Kreisverband Marburg-Biedenkopf. In Zeiten des Fachkräftemangels den Beschäftigten eine anständige Bezahlung zu verweigern, sei unanständig. „Die CDA steht an der Seite der Beschäftigten und unterstützt die Forderung nach einem Tarifvertrag.“ Diese Unterstützung könnten die Beschäftigten gut gebrauchen, so ver.di-Fachsekretärin Saskia Teepe. „Wir haben den Arbeitgeber aufgefordert, einen Tarifvertrag mit der Gewerkschaft ver.di abzuschließen. Wir werden den Druck weiter erhöhen und für eine bessere und dauerhaft gesicherte Bezahlung streiten.“

Das Diakonie-Krankenhaus Marburg-Wehrda beabsichtigt die Schließung der Geburtshilfe zum Ende des Jahres. „Wir erleben in Hessen eine fortgesetzte Schließung von Kreißsälen“, sagt Martina Klenk vom Hebammenverband. „Die Arbeitsbelastung für die Hebammen in den verbliebenen Kliniken steigt und für die Frauen steigen die Fahrtzeiten. Wir sehen die Versorgungssicherheit und die Wahlfreiheit des Geburtsortes akut gefährdet.“ Der CDA-Landesvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Prof. Dr. Matthias Zimmer zeigte kein Verständnis für die Entscheidung des diakonischen Klinikbetreibers: „Wir brauchen eine flächendeckende Gesundheitsversorgung und eben auch eine flächendeckende Geburtshilfe.“

Aus Sicht der Gewerkschaft ver.di besteht nach wie vor eine besondere Verpflichtung des Landes Hessen für das Universitätsklinikum Marburg. „Das Land ist gefordert, die gegenseitigen Verpflichtungen zu erfüllen und vor allem von der Rhön AG die Umsetzung der Verpflichtungen aus dem Konsortialvertrag zu fordern“, sagte Fabian Dzewas-Rehm von ver.di. „Zur Sicherstellung des Versorgungsauftrags sowie zur Sicherung einer guten Pflege gehört es, gute Löhne zu bezahlen und in die Ausbildung zu investieren“, so der CDA-Landesvorsitzende Matthias Zimmer.

„Wir freuen uns, dass Politik hinschaut und die Anliegen der Beschäftigten aufnimmt. Die Probleme im Gesundheitswesen sind immens. Wir brauchen einen breiten Konsens für eine bedarfsgerechte, flächendeckende und gute Gesundheitsversorgung für alle und den politischen Willen, dies umzusetzen“, lautet das Fazit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der mittelhessischen Krankenhaustour. Alle Beteiligten wollen den Dialog weiterführen: „In unserer Zeit ist es wichtiger denn je, über den Tellerrand hinauszuschauen. Deshalb legen wir viel Wert auf einen engen Dialog zwischen Gewerkschaft, Hebammenverband und dem CDU-Arbeitnehmerflügel.“

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