"Die Flüchtlinge von heute dürfen nicht die Langzeitarbeitslosen von morgen werden", unterstreicht der hessische CDU-Europaabgeordnete Thomas Mann, EVP-Verantwortlicher für die Arbeitsmarkintegration von Flüchtlingen. Der Ausschuss für Beschäftigung und Soziales (EMPL) hat heute eine fast dreistündige öffentliche Anhörung im EP Brüssel durchgeführt. "Wenn rund 200 Interessierte und Experten zusammenkommen, zeigt das, wie heiß das Eisen ist, welches das EP schmieden will." Vertreter des Roten Kreuzes, von Flüchtlingsverbänden, der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und nationalen Arbeitsmarktagenturen standen den Europaabgeordneten Rede und Antwort. Am 16. März 2016 wird der EMPL-Ausschuss den Entwurf eines Initiativberichtes von Brando Benifei (S&D, Italien) zum Thema debattieren.

EVP-Verantwortlicher Thomas Mann setzt auf Gleichbehandlung und neue Instrumente: "Ich halte nichts davon, Sonderarbeitsmärkte für Flüchtlinge zu schaffen. Der Mindestlohn bleibt gültig. Gleichbehandlung sollte der zentrale Grundsatz der Integrationspolitik sein. Laut Zahlen der Bundesagentur für Arbeit sind rund 70% der Flüchtlinge in Deutschland erwerbsfähig. Daten aus der Vergangenheit zeigen, dass 20% dieser Erwerbsfähigen über eine Berufs- oder Hochschul-Ausbildung verfügen. Ihre Zeugnisse können erfasst und in Bezug zu europäischen Qualifikationen gesetzt werden. 80% der Flüchtlinge verfügen lediglich über eine allgemeine Bildung, höhere Qualifikationen können sie nicht nachweisen, trotzdem besitzen auch sie Kompetenzen. Bei der Erfassung und Bewertung dieser Kompetenzen besteht sowohl in den Mitgliedstaaten als auch auf EU-Ebene einen großer Nachholbedarf. Nationale oder europaweite Standards für solche 'soft-skills' fehlen oft, Methoden zu ihrer Erfassung auch. Online-tools könnten entwickelt werden, mit denen Kompetenzen z.B. über spezifische Bilderreihen abgefragt werden. Wer einen Ölfilter erkennt oder weiß, was Bremsbeläge sind und wie sie eingebaut werden, ist noch lange kein Ingenieur oder Mechatroniker, er besitzt aber Grundlagen. Neue Screening-Methoden könnten bereits in den Hot-Spots zum Einsatz kommen, das würde den Integrationsprozess beschleunigen", erklärte Thomas Mann abschließend.

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